08.07.2015

Hinter den Kulissen

08.07.2015

Hinter den Kulissen

Flirrende Hitze liegt über Dresden. Schon vor 9 Uhr morgens sind es knapp dreißig Grad. Ich bin verabredet mit Toni [www.instagram.com/tonistadlr], einem Dresdner Instagrammer, dessen Bilder ich mag. Wir laufen durch die Stadt und reden über dies und das. Wir sprechen auch über Instagram, was nicht verwunderlich ist, weil wir uns über Instagram kennengelernt haben. Toni meint, dass viele Instagrammer sagen, die App habe ihr Leben verändert. Das wird, so Toni weiter, oft theatralisch vorgetragen. Aber es stimme. Für ihn haben sich seine Bilder geändert, wohl auch, weil er sie nun ausschließlich mit dem Smartphone macht und – was noch wichtiger für ihn ist – weil er das urbane Leben fotografiert. Durch Instagram habe er zahlreiche Leute kennen gelernt, die er so nicht getroffen hätte. Dabei sei erstaunlich, dass die Menschen hinter den Profilen oft ihren Profilen ähneln. Ich meine, über längere Zeit lässt sich wohl kein Account betreiben, ohne etwas von sich selbst preiszugeben.

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Toni – auf seinem Weg

Das Gespräch mit Toni hat viele Fragen aufgeworfen. Gerade das Verhältnis von Account und Person interessiert mich: „Zeig mir deine Fotos (images) und ich sag dir wer du bist!“ Stimmt das?

Zunächst einmal fällt mir sofort ein, wie Instagram mein Leben verändert hat. Mit der App beschäftige ich mich viel in meiner Freizeit, was nicht nur Vorteile hat. Allerdings habe ich mich schon seit meiner Jugend kontinuierlich mit dem Fotografieren beschäftigt – das Hobby selbst ist also keineswegs „Neuland“ für mich. Was ich ganz ähnlich wie Toni sehe: Toll ist, dass ich durch Instagram die Möglichkeit habe, Menschen zu begegnen, die ich sonst nicht oder zumindest nicht ohne weiteres getroffen hätte. Am Abend bevor ich Toni traf, war ich in Dresden zu einer Veranstaltung eingeladen worden, auf der die besten sächsischen Breakdancer The Saxonz auftraten. Ich bin kein Breakdance-Experte. Genau genommen habe ich eine solche Veranstaltung auch noch nie besucht. Die Stimmung war sehr gut und ich war begeistert von dem kurzweiligen Abend.

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Battle

Für die Show wurden Wettkämpfe, sogenannte Battles, organisiert. Dabei traten die Jungs von The Saxonz gegen befreundete Breakdancer aus ganz Europa an. Schon am Nachmittag, bei einem ersten Fotoshooting, hatte ich einen Einblick in die Kunst des Breakdance gewonnen und mir die Choreographien der Tänzer genau angeschaut.

Was mich an der Veranstaltung am meisten fasziniert hat, war, wie die Breakdancer in den Battles miteinander kommunizieren. Sie tanzen gegeneinander und zugleich miteinander. Dabei ist vorher nicht ganz klar, welche Musik der DJ aus der eingereichten Vorschlagsliste spielt. Bei den Fotos kam es für mich darauf an, Momente einzufangen, in denen die Breakdancer kommunizieren.

Wie komplex Breakdance ist, kann ich an dieser Stelle nicht ausführen. Fachkundige Leser mögen das bitte entschuldigen. Ich war auf jeden Fall begeistert.

Nach dem Treffen mit Toni geht es weiter zum nächsten Ereignis. Die Oper Leipzig hat mich eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen einer Produktion zu werfen. Aufgeführt wird das Musical West Side Story mit der berühmten Musik von Leonard Bernstein. Wenngleich ich schon ab und an hinter die Kulissen von Theatern blicken konnte, so war ich noch nie bei einer Inszenierung live dabei. Ich beobachte die Tänzer beim Schminken. Und ich schaue zu, wie sie sich aufwärmen für den Auftritt. Ich stehe am Bühnenrand und verfolge den Auftritt.

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Nikolaus wird geschminkt

Was mir auffällt, ist die Theatergemeinschaft, bei der jeder verantwortlich ist für das Gelingen des Stückes. Die Beziehungen der einzelnen Beteiligten sind sehr eng. Und es kommt Wehmut auf, weil es die letzte Vorstellung ist.

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Auftrittsvorbereitung

Dass ich komme, wurde vorher angekündigt. Schnell habe ich das Gefühl, kein Fremder zu sein, sondern dazuzugehören. Mich fasziniert aber vor allem, wie konzentriert die einzelnen Tänzerinnen und Sängerinnen am Bühnenrand das Geschehen verfolgen. In diesen Augenblicken scheine ich für das Ensemble nicht zu existieren.

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Konzentration

Jörg Nicht 

Er lebt in Berlin und fotografiert seit seinem 12. Lebensjahr. Inzwischen hat er mehr ca. 500.000 Follower auf Instagram.

Instagram: www.instagram.com/jn
EyeEm: www.eyeem.com/jn_
Flickr: www.flickr.com/jn_insta
Homepage: www.joergnicht.com

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